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Wenn Farben tanzen . . .
  • Encaustic - Die Wachsmalkunst - heiss und feurig

Encaustic - Die antike Wachsmalkunst

Unter dem Begriff Encaustic versteht man die Wachsmalerei, bei der Farbpigmente unter der Zuhilfenahme von Wachs als Bindemittel mittels Hitzeinwirkung vermalt werden. Die Technik hat eine deutlich längere Tradition als die der Ölmalerei. Sie erlebte ihre Blütezeit in Ägypten ca. 2000 v. Chr. bis in die griechisch - römische Antike. In der Vorstellung der Künstler wurden die eigenen materialisierten Gedanken mit Feuer unvergänglich auf der Malfläche eingebrannt.
Auch das Wort Encaustic wird bereits seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden verwendet und leitet sich von dem griechischen Wort enkauston, "eingebrannt", ab, dieses wiederum von enkaio, "dem Feuer ausgesetzt". Während heute elektrisch geheizte Malgeräte verwendet werden (Encaustic - Maleisen, Encaustic Mal - Pen. und Encaustic Malplatte), wurden in der griechischen Antike entweder kalte Farben mit heissen Spachteln, den über glühenden Kohlenbecken erhitzten “Cauteria", aufgetragen und anschliessend durch Hitzeeinstrahlung (durch glühendes Eisen oder durch Hitzeabstrahlung des Kohlebeckens direkt) eingebrannt (Ganosis) oder heissflüssig auf Wände, Marmor, Holz oder Elfenbein aufgebracht.

Fundorte der Encaustic-Malerei

Hervorragende Zeugnisse der Encaustic sind die berühmten ägyptischen Mumienporträts im Katharinenkloster auf dem Sinai, Vadi Natron aus der Oase Fayum, im Britischen Museum in London, der ägyptischen Sammlung Museum Berlin, dem Ottomanischen Museum in Konstantinopel, und dem ägyptischen Museum in Kairo, Wandmalereien in Pompeji und Herculuneum, eindrucksvolle Grabmalereien (Tomba del Tuffatore, um 480 v. Chr. datiert) in Paestum Italien, oder die Maxentische Krypta und bemalte Statuen in Aqvileia Italien, die Sixtinische Kapelle in Rom und in der alten Pinakothek in München. Selbst an der Trajanssäule in Rom wurden Spuren von Encaustic entdeckt

Geheimnisvoll klingen die alten Rezepturen, nach denen das sagenumwobene „Punische Wachs“ im Meerwasser gekocht wurde und immer wieder  der Einwirkung von Sonne und Mond ausgesetzt wurde. Die Arbeitsweise von damals war sehr aufwendig und sollte nach ein paar Tausend Jahren in Vergessenheit geraten.

Ursprungsland Ägypten
Antike Encaustic-Werkzeuge
Encaustic-Wandmalerei
Kalksteinrelief

Die Moderne

Im Gegensatz zu den damals stark giftigen Dämpfen, die die Künstler bei ihrer Arbeit einatmen mussten, verwendet man im 21. Jahrhundert feines, umweltfreundliches Bienenwachs, was zu einem hohen Entspannungswert beiträgt. Heute bedient man sich der Hilfe eines bügeleisenähnlichen Maleisens, was dem „Einbrennen“ in der Antike in nichts nachsteht. 
Die Arbeitsweise mit dem elektrischen Arbeitsgerät hat mit der antiken Maltechnik außer der Verwendung von Wachsfarben und Hitze nicht sehr viel gemeinsam. Wer sich mit der „modernen“ Encaustic beschäftigt, erliegt vermutlich ihrer spontanen Verwendungsweise. Gewissen Zweiflern zum Trotz, hätte so mancher Künstler aus der Antike sein Kohlenfeuer verlassen und zum „Bügeleisen“ gegriffen, so hätte er denn die Möglichkeit dazu gehabt.
Der Einstieg in diese Maltechnik ist relativ einfach. Ein gutes Gefühl für Proportionen, Farben und Perspektiven sowie eine Portion Kreativität und Fantasie sollten die Grundlage sein, um vorzeigbare Ergebnisse zu gestalten.

Malen während einer Vernissage